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Kinderchirurgie

Kindertraumatologie

Das Anliegen der Kindertraumatologie – als selbständiger Teil der Unfallmedizin- besteht einerseits darin, kindliche Knochenbrüche und Gelenkverletzungen zu erkennen, andererseits haben wir Kinderchirurgen uns zum Ziel gesetzt, eine „kindergerechte Behandlung“ mit allen Mitteln durchzuführen, was größtenteils völlig andere Strategien und Behandlungsmethoden verlangt.  Dazu bedarf es in erster Linie profunder Kenntnisse des Knochenwachstums. Eine effiziente Behandlung kindlicher Brüche muss immer die Korrekturmechanismen am wachsenden Skelett in Abhängigkeit vom Alter mitberücksichtigen.

 

Bei Epiphysenfugenfrakturen (Wachstumsfugenbrüchen) kann der Wachstumsknorpel  teilweise oder komplett zerstört sein. Unbehandelt würde dies zu einem Fehlwachstum mit Deformierung bis  zu einem kompletten Verschluss der Wachstumsfuge mit Wachstumsstopp führen. Daher besteht die absolute Forderung nach einer anatomischen Wiederherstellung der Fugenplatte, etwa durch eine offene Reposition des Bruches und Fixierung der Knochenfragmente mit Hilfe von Schrauben und Spickdrähten, ohne weitere Verletzung der Wachstumsfuge. Beispiele für solche Fugenverletzungen mit möglichem späterem Fehlwachstum finden sich am Ellenbogengelenk (Kondylusfrakturen)  und im Bereich des Innenknöchels (eigentliche Innenknöchelfrakturen).

Eine sehr häufige  Fraktur im Kindesalter, als Folge eines Sturzes auf den ausgestreckten Arm, stellt die s.g. supracondyläre Humerusfraktur dar. Die Problematik dieses Bruches, ob mit oder ohne Operation, besteht neben der Fragmentverschiebung verschiedenen Ausmasses im Belassen eines  Drehfehlers, der bei entstandener Instabilität der beiden Bruchanteile, zum Abkippen der Fragmente führt mit kompensatorischem Mehrwachstum des benachbarten Fugenanteils.

 

Schaftfrakturen sind 50 x häufiger als Epiphysenfrakturen. In der Abbildung kommt ein typischer kompletter Unterarmbruch mit starker  Dislokation  (Verschiebung) zur Darstellung. In diesen Fällen stellt die geschlossene Reposition des Bruches und das Einbringen einer s.g. „elastischen stabilen Markraumschienung“ ( ESIN ) die Behandlung der Wahl dar. Diese Nägel aus Titan werden bruchfern eingebracht, dann unter Bildwandlerkontrolle über die Fraktur hinweggeschoben und abschliessend in dem benachbarten Knochenfragment fixiert. Der zweite Knochen wird in ähnlicher Weise versorgt. Die geschilderte Versorgung gilt als bewegungsstabil, und, je nach Bruchform,  sogar als belastungsstabil z.B an der unteren Extremität. Damit ist diese Behandlungsmethode, gerne auch als „semikonservativ“ bezeichnet, da der Bruch als solches nicht offen versorgt wird, für das Kindesalter geradezu ideal. Wochenlange Ruhigstellungen im Oberarmgips entfallen, Extensionsbehandlungen über einen längeren Zeitraum der unteren Extremität gehören ebenfalls der Vergangenheit an.  Bei Ober- und Unterschenkelfrakturen müssen zur Stabilisierung des Bruches zwei elastischen Schienen eingebracht werden.  Nach wenigen Wochen bereits lässt sich das Metall problemlos in einem ambulanten Eingriff entfernen.

 

Zwischen dem 12. und 16. Lebensjahr, mit dem Ende des Knochenwachstums,  beginnen sich die Wachstumsfugen zu verschließen. Während dieser „Verknöcherungsphase“ der Epiphysenfuge können sg. Übergangsfrakturen  auftreten, das sind Bruchverläufe nach Unfallmechanismen wie bei Sprunggelenksverletzungen im Erwachsenenalter, die  in dem Grenzbereich zwischen dem noch verbliebenen  Wachstumsknorpel und dem bereits transformierten „Erwachsenenknochen“ verlaufen und auf konventionellen Röntgenbildern nur sehr schwer zu erkennen sind (Triplane fractures).  Die operative Versorgung, in Kenntnis des Fugenschlusses, wird mit lediglich 2-3  Schrauben durchgeführt.

Download:

Infoletter: Frakturen der oberen Extremität

Infoletter: Oberschenkelfrakturen


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